Der dreifache Mountainbike-Weltmeister Nino Schurter wird temporär sein Sportgerät wechseln: In diesem Frühsommer fährt er die beiden Rundfahrten Tour de Romandie und Tour de Suisse, und zwar für das australische Profiteam Orica. Dafür war eine Ausnahmeregelung des Radweltverbandes UCI nötig, der eigentlich nicht will, dass ein Berufsfahrer im selben Jahr für zwei verschiedene Mannschaften startet.

Mit Unterstützung des Teamchefs

Schurter dachte schon letztes Jahr darüber nach, sich einmal mit den Strassenprofis zu messen. «Denn wenn ich stets das Gleiche trainiere, bleibe ich stehen», sagt er. Die Idee fand sofort die Unterstützung seines Teamchefs Thomas Frischknecht, der zu seinen Aktivzeiten als Mountainbiker selber erfolgreich Strassenrennen absolviert und 1996 in Atlanta sogar am olympischen Radrennen teilgenommen hatte.

Als Profiteams kamen von Beginn weg nur Mannschaften infrage, die vom selben Radhersteller ausgerüstet werden wie Frischknechts Mountainbike-Team (Scott). Von der Schweizer Equipe IAM kam aber eine Absage, da sie in den Heimrennen keinem angestammten Fahrer den Platz verbauen wollte. Schliesslich zeigte sich Orica interessiert, in dessen Reihen auch der Schweizer Michele Albasini fährt.

Längere Belastungen

Schurter wird jeweils kurz vor Beginn der beiden Etappenrennen zum Team stossen und bezeichnet das Engagement als «grosses Abenteuer». Zwar fuhr der 27-jährige Bündner schon in der Vergangenheit jährlich ein bis zwei nationale Strassenrennen, doch über seine Aussichten in einer World-Tour-Prüfung ist er völlig im Ungewissen. «Vielleicht kann ich mal um einen Etappensieg mitfahren», hofft er. Sicher ist aber, dass er sich im Training an längere Belastungen gewöhnen muss. Mit dem Rennrad ist er immerhin vertraut; er absolviert damit schon lange rund die Hälfte seines Trainings-Volumens.

Für Schurter steht fest, dass sein Abstecher zu den Strassenprofis eine einmalige Sache bleibt, schliesslich schlage sein Herz fürs Mountainbike. Nach den Etappenrennen will er sich darum wieder auf Weltcup und Weltmeisterschaft konzentrieren. Sollte er aber im Frühsommer trotzdem auf den Geschmack kommen, würde das nicht überraschen: Unter den Strassenprofis gibt es unzählige ehemalige Mountainbiker – wie etwa Cadel Evans, Peter Sagan, Jakub Fuglsang oder Fredrik Kessiakoff.